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„Instagram kopiert jetzt Snapchat“? Wer nach dem letzten Instagram-Update die App geöffnet hat, der traute seinen Augen kaum. Auf einmal bietet unser aller Lieblings-Foto-App nun neben all seinen Filtern auch „Snaps“ an – nun ja, die heissen zwar hier „Stories“, unterscheiden sich abgesehen vom Namen jedoch nicht weiter vom Snapchat Original.

Vor einigen Jahren bot Facebook-CEO Mark Zuckerberg den Snapchatgründern eine beachtliche Summe Geld an (3 Mrd. US-Dollar, um genau zu sein), doch man lehnte dankend ab. Mit dem neuen Update könnte man nun zu dem Schluss gelangen, dass hier Rache geübt wird, denn Instagram gehört ja bekanntlich zum FB-Imperium, aber weit gefehlt.

Kevin Systrom gibt offen zu, dass Snapchat der alleinige Ruhm für die Erfindung des vergänglichen Contents gebührt. „They deserve all the credit“, gab er im Interview mit TechCrunch zu. Snapchat machte es als erster Messenger möglich Bilder zu verschicken, die sich nach 24 Stunden, oder einmaligem Ansehen von selbst löschen und begründetet damit vor allem bei jüngeren Zielgruppen (13-25 Jahre) einen unglaublichen Hype, der Snapchat heute zu einem der schnellst wachsenden sozialen Netzwerke macht.

Diesen Hype will Instagram nun aufgreifen und reagiert somit auf ein augenscheinliches Bedürfnis seiner Nutzer. Die stete Abwanderung zunehmend älterer User hin zu Snapchat scheint nun das vertretbare Mass überschritten zu haben. Längst hat sich Instagram selbst überlebt. Aus der Grundidee, Fotos aus seinem Leben „instant“, also sofort, mit aller Welt (bzw. seinen Followern) zu teilen, ist längst eine durchgeplante Darstellungsplattform geworden. Ein Bild, das nicht binnen der ersten Minuten die gewünschte Anzahl an Likes einbringt, wird da gern mal direkt wieder gelöscht. Diesen Perfektionismus gibt es bei Snapchat nicht. Da die Snaps ohnehin nur knapp 24h existieren, verschwendet kaum jemand Zeit mit Filtern oder Ähnlichem.

Insbesondere für Brands, die Instagram als neue Lieblingsplattform für sich entdeckt haben, bieten sich nun neue Möglichkeiten. Snapchat ist sowohl in der Handhabung, als auch in der Auslieferung von Content bisher immer ein wenig zu sperrig für Marketing gewesen. Hier setzt Instagram nun an und verbindet eine innovative Funktion mit den bereits vorhandenen Möglichkeiten des Netzwerks. Tesla macht es vor und postete als eines der ersten großen Brands „Behind-The-Scenes-Stories“ aus der Produktionsstrasse - unbearbeitet, hautnah und persönlich.

„When you are an innovator, that’s awesome. Just like Instagram deserves all the credit for bringing filters to the forefront. This isn’t about who invented something. This is about a format, and how you take it to a network and put your own spin on it.“ – Kevin Systrom, Gründer und CEO, Instagram

Genauso wie Facebook im Ursprung eine Kopie von Friendster war und Apple nicht das (Mobil) Telefon erfunden hat, so haben beide Unternehmen aus vorhandenem KnowHow etwas Neues entwickelt. Laut Kevin Systrom ist es ein „Geben und Nehmen“ im Silicon Valley und auf jede Innovation folgt eine Adaption. Zugegeben, diese Formulierung hört sich für Jeden Mitarbeiter bei Snapchat wie blanker Hohn an, denn mit der Grösse von Instagram und der nun „adaptierten“ Schlüsselfunktion ist das Ende des einstigen „Wundernetzwerks“ wohl abzusehen. Insofern Snapchat in der nahen Zukunft nicht seinerseits klug adaptiert, könnte es im Nachruf heissen: „Wer 3Mrd. Dollar zur falschen Zeit ausschlägt, der sollte sich nicht wundern, wenn er früher oder später nicht mehr mitspielen darf.“ Instagram hat einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht, zur richtigen Zeit. Ist das moralisch verwerflich? Vielleicht, aber danach fragt am Ende niemand. Wichtig ist einzig und allein die User und die Brands, die bei Instagram aktiv sind, vor dem Hintergrund der immer weiter integrierten Paid-ad-Funktionen, bei Laune zu halten.

Dass Instagram zeitgleich mit dem letzten Update die allseits befürchtete Algorithmus-Umstellung vollzogen hat - Content wird nun nicht mehr zeitlich angeordnet dargestellt, sondern nach Algorithmus-basierter Wichtigkeit - geriet da leicht zur Randnotiz.