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Prosumer, Hipster, Normcore, metrosexuell, spornosexuell. Es wird immer komplizierter und Trendforscher decken uns ständig mit neuen Begriffen für aktuelle Strömungen und Gesellschaftstypen ein.

David Beckham läutete einst die Geburtsstunde des metrosexuellen Mannes ein: Ein neuer moderner Mann, der sich gerne hegt und pflegt und ein Handtäschli trägt. Nun gut, diese Bewegung hatte sicher etwas Gutes, schliesslich ist Gender ein Konstrukt und sollte man das mit den Grenzen und Regeln nicht immer so eng sehen. Doch scheinbar tut es der metrosexuelle Mann nicht mehr, und so wurde kürzlich der spornosexuelle Typ geboren (heisst: „when sport meets porn“, beides übrigens Wortkreationen des britischen Journalisten Mark Simpson). Diese Gruppe von Männern könnte man ebenfalls als eitel bezeichnen, die viel Sport treiben und ihren Körper gerne definieren, nicht aber aufpumpen und ansonsten weniger Wert auf Kleidung und Styling im Allgemeinen legen. Eine weit weniger begrüssenswerte Entwicklung, die nichts anderes zeigt, als dass die Körperfixiertheit und ein völlig überzeichnetes, künstliches Körperbild nun auch die männlichen Riegen eingenommen haben.

Der spornosexuelle Typ legt also weniger Wert auf Kleidung. Ganz anders ist da ja der Hipster, der eine Art Pendant zum spornosexuellen Mann darstellt: Beim Hipster geht es fast nur noch um Stil, Hülle und Konsum, Inhalt und in eben diesem konkreten Fall dann auch der Körper und sein Erscheinen an sich treten (zumindest teilweise) in den Hintergrund. Stellt man sich den prototypischen Hipster mit Flanell-Hemd, Nerd-Brille, Bart und hochgekrempelter Jeans nicht mit einem kleinen Bäuchlein vor? Dem Hipster wird ja gerade sein Tod prophezeit. Thesen von Meta-Hipster und Follower und Leader verwischen das Ganze. Fest steht jedenfalls, dass das heutige Hipstertum rein gar nichts mehr mit Individualität zu tun hat und sich in einer völlig passiven Follower-Rolle befindet. Auch der Hipster wird ja jetzt vom Prosumer abgelöst. Der nimmt eher eine Leader-Position ein, setzt Trends und sieht in die Zukunft. Welche Brands werden in zwei Jahren Trend sein? Der Prosumer weiss es. Prosumer heisst nichts anderes als „Produzent und Konsument“ in einem. Doch sind wir das nicht alle irgendwie? H&M hat dieses Jahr in Berlin das erste Starting-House eröffnet. Dort kann jeder (im Idealfall natürlich H&M-Konsument) mal vorbeischauen, inputten und ein paar Tipps abgeben. So oder so geht es aber darum, sich in den richtigen Diskurs einzuschreiben, seinen Style zu definieren und sich zu positionieren. Wir leben heute in einer hochgradigen ästhetisierten Welt und alles läuft und definiert sich über Konsum.

Auch wenn Prosumer wieder so ein Neologismus ist (wirklich neu ist der Begriff eigentlich nicht, er wurde 1980 vom Zukunfsforscher Alvin Toffler kreiert), der jetzt plötzlich auf der Bildfläche erschienen ist und alles zu verkomplizieren scheint, so finde ich an seiner Idee doch einen gewissen Gefallen. Und das obschon Begriffe selbst ja immer von uns gemachte Konstrukte sind, die beliebig sind. Schliesslich bringt der Prosumer das auf den Punkt, worum es bei Mode, Trends und Konsum wirklich geht: Frisch von der Leber weg und sich viel weniger Gedanken um die Sanktionen machen. Es geht um Vielfalt, eigene Ideen und vor allem: Mut – wie so oft im Leben.

Cécile Moser

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